Salzburger Nachrichten - Die Pracht des Niedergangs

Schlagseite. Helmut Grill ist derzeit Herr der Welt – seiner Welt. Er baut sie am Computer. Sie Bilder, die enstehen sind erschreckend schön.

Salzburg. Land in Sicht. Aber Menschen? Die sucht man in Helmut Grills Kosmos vergebens. Allerdings finden sich noch Spuren. Reichlich sogar. Da steht etwa ein Gipfelkreuz auf einem Eisberg. Und am Berg knapp dahinter markiert ein Halbmond die Spitze einer weiteren bizarren Erhöhung. Als Entsprechung womöglich zum Kreuz, dem Symbol christlicher Landnahme? Noch dazu in einem Froststarren nirgendwo, in dem ein Luxusliner mit Schlagseite im Eiswasser treibt. Die Frage bleibt offen. Immer wieder lassen sich in Grills apokalyptischem Panoptikum auch Andeutungen auf globale Nobelmarken finden. Vögel tragen etwa das Hermes- Muster im Gefieder. Sehr dezent natürlich, wie es sich für Hermes gehört.
Sind das politische Statements, Fingerzeige auf eine westliche Welt, in der Luxus und Nobelmarken über Glück und Unglück entscheiden? Oder sind es nur Spielereien eines Mannes, der Photoshop so virtuos beherrscht wie andere eine Klaviertastatur?

Grill will keine Antworten liefern. Die wirklichen Bilder sollen, begleitet von einem Konzert der Assoziationen, ja im Kopf des Betrachters entstehen. Und dem steht es frei, was er empfindet, wenn ein Mini- Dagobert Duck durch eine Fantasiewelt huscht, die nichts als eine berückende schöne Wüste am Mars ist – und die trotz ihrer Schönheit für Beklemmung sorgt, weil sie fatal an eine Welt erinnert, die von Spekulanten und Heuschrecken zerstört und leergefressen wurde.

Oft stehen in Grills Arbeiten auch monumentale Häuser dominant im Zentrum. Mit Neonlicht bestrahlt, in warme Farben getaucht – und doch so unheimlich, als würde im nächsten Moment der bucklige Butler Riff Raff aus der Rocky Horror Picture Show die Tür öffnen und einen Blick auf Familienwelten freigeben, die vieles sind, nur nicht heil.

Helmut Grill 1965 in Salzburg geboren, lebt und arbeitet in Wien. In den letzten zwanzig Jahren war er mit seiner Arbeit im Rahmen von rund 80 internationalen Ausstellungen, Festivals und Messen präsent.

Text/Bild: Heinz Bayer/ Salzburger Nachrichten Samstag, 12. Oktober 2013

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