Die Presse - Tripl-A -Kunst in Kitzbühel

Die Winterausstellung der Münchner Galerie Française findet erstmals in Kitzbühel statt. Zu sehen sind unter anderem Werke von Picasso, Walde und Poliakoff.

Die 5000-Seelen-Gemeinde Kirchberg bei Kitzbühel wird in diesem Winter die Gastgeberin einer besonders exklusiven Ausstellung sein. Die Münchner Galerie Française des Kunsthändlers Gerard Schneider zeigt ihre große Winterausstellung erstmals in dem Kunsthaus Aaartfoundation des niederländischen Architekten und Kunstsammlers Theo Jongen.

„Nachdem wir bisher immer in St. Moritz ausgestellt haben, wollten wir in diesem Jahr etwas Neues ausprobieren und sahen uns nach neuen Standorten um“, sagt Gerard Schneider. „So kamen wir auf Kirchberg, wo die Verkaufsausstellung künftig alle zwei Jahre – abwechselnd mit St. Moritz – stattfinden wird.“ Ausschlaggebend für seine Entscheidung sei die Aaartfoundation gewesen. „Die Räume des Hauses sind ausgesprochen edel und haben sehr hohe Wände, die ausgestellten Werke werden darin hervorragend zur Geltung kommen“, schwärmt Schneider.

Der Startschuss für die Ausstellung fällt am 28.Dezember. Bis April 2012 werden insgesamt etwa 100 Werke zu sehen sein. Der Schwerpunkt liegt auf Werken von Serge Poliakoff, Pablo Picasso, Maillol und Raoul Dufy.

„Die Aaartfoundation selbst ist schon so etwas wie ein Generalkunstwerk“, erzählt Jongen. „Das Gebäude umfasst etwa 2000 m Grundfläche und wurde nach meinen eigenen Plänen erbaut.“ Insgesamt seien 500 m tropisches Holz Südamerika verbaut worden. „Das mehrere hundert Jahre alte Holz wurde Anfang des 19.Jahrhunderts unter anderem nach Europa verfrachtet und als Hafenbecken in den Niederlanden sowie Lettland benutzt, bevor es vor Kurzem demontiert wurde und nun in Kirchberg seine letzte Verwendung gefunden hat.“ Es sei das schwerste seiner Art, hart wie Beton und fast unbrennbar. „Kombiniert wurde das Holz mit echtem Schiffsstahl auf dem Dach und dem Geländer der Balkone.“ Das komplette Haus sei somit fast ausschließlich aus recycelten Materialien erbaut worden.

„Neues Leitmotiv“. „Bereits im letzten Winter fand hier eine Ausstellung mit 22Werken von Walde statt, die unglaublich erfolgreich war“, so Jongen. „Für mich hat sich daraus ein neues Leitmotiv ergeben. Ich wollte die Kunst in Tirol auf ein neues, gehobenes Niveau hieven.“ So habe er sich für die klassische Moderne entschieden, die viel Raum für Flexibilität biete. „Und da ich Gerard Schneider seit 25 Jahren gut kenne, habe ich ihm vorgeschlagen, seine Winterausstellung auch einmal in Kitzbühel zu veranstalten.“

Ein besonderes Anliegen sei Jongen die Förderung junger Künstler. „Ich lege großen Wert darauf, außergewöhnlichen Talenten die Möglichkeit zu bieten, ihre Werke in einem angemessenen Rahmen zu präsentieren“, sagt Jongen. „Daher wird Axel Kraus von der neuen Leipziger Schule 15 seiner Bilder ausstellen. Für Kunstliebhaber ist das eine einzigartige Gelegenheit, eine solche Auswahl an Werken zu sehen.“

Was es denn mit der eigenartigen Schreibweise seines Kunsthauses auf sich habe? „Ach ja, das Triple A am Anfang“, schmunzelt Jongen. „Dafür habe ich mich nicht entschieden, um in Internet-Suchmaschinen als Erster zu erscheinen, sondern um ein Zeichen der Qualität zu setzen.“ Noch vor drei Jahren hätten ihn neun von zehn Leuten gefragt, was das zu bedeuten habe. „Aber heute, im dritten Jahr der Wirtschaftskrise, weiß jeder um die Bedeutung eines Triple-A-Ratings. Besonders die Österreicher, die um den Verlust von einem A fürchten.“

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 18.12.2011, Köksal Baltaci)

Zurück